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Michael Kaufmann vor dem Start der Philharmonie Essen


Der 1961 in Heidenheim geborene Michael Kaufmann ist Intendant der Philharmonie Essen. Und in dieser Position zur Zeit tatsächlich ein viel beschäftigter Mann. Nach dem Studium der Germanistik, Rhetorik und Ethnologie an der Universität Tübingen ging sein Weg gleich in die Kunst. Nicht als Künstler, sondern als Organisator der Kunst. 1982 übernahm er die Organisationsleitung des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Von hier aus ging es über die Ludwigsburger Festspiele, die des Süddeutschen Madrigalchores hin zu einem eigenen Büro für Kulturmanagement. In diese Tätigkeit fallen Tourneen mit namhaften Orchestern in Asien und Europa, eine Schallplattenproduktion mit Ute Lemper – ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und vieles mehr.
Über den Deutschlandfunk gelangte er 1991 an den Posten des Orchesterdirektors des Gürzenich Orchesters Köln. In Köln war er dann in vielen leitenden Positionen, z. B. in der MusikTriennale Köln, KölnMusik GmbH oder als Geschäftsführer der Kölnarena Management GmbH tätig. 2002 erreichte ihn dann die Berufung zum Intendanten der Philharmonie Essen, für die er zur Zeit ununterbrochen unterwegs ist.
 
theater pur? Noch ein großer Konzertsaal. Glauben Sie, dass dies die Region verträgt?
 
Michael Kaufmann: In einem Ballungsraum von 6 Millionen Einwohnern sollte es eigentlich keine Schwierigkeit sein. Düsseldorf und Köln liegen außen vor, bleibt noch Dortmund. Ich glaube, dass das Ruhrgebiet zwei Konzerthäuser verkraftet. Natürlich setzen wir auch darauf, dass die Essener „Ihren Saalbau“, nach gelungenem Umbau wieder annehmen werden. Und was nicht zu unterschätzen ist, die Philharmonie wird auf dem modernsten Stand sein. Nicht nur was die Akustik angeht, sondern auch vom Raum selbst und des Komforts des Sitzens. Sie wissen selbst, wenn man sich in einem Haus wohlfühlt, ist der Genuss ein doppelter. Außerdem planen wir in der ersten Saison nur etwas über 150 Veranstaltungen. Wir setzen uns also nicht unter Zugzwang. Wir wollen dann langsam auf 300 Produktionen wachsen.
 
theater pur? Zwei Jahre Vorlaufzeit für ein Unternehmen wie das einer Philharmonie, ist das nicht ein bisschen wenig?
 
Michael Kaufmann: Richtig. Ein idealer Zeitraum wären vier Jahre gewesen. Wirklich gute und große Namen sind meist über diesen Zeitraum hinaus schon ausgebucht.
 
theater pur? Und trotzdem haben Sie es geschafft für die Eröffnungsphase wirkliche Weltstars und Orchester von internationaler Prägung nach Essen zu holen.
 
Michael Kaufmann: Das ist Vertrauen, welches über Jahre, die man im Geschäft ist, gewachsen ist. Künstler, die man kennen gelernt hat, sind dann bereit, den einen oder anderen Termin doch noch einzuschieben oder den einen oder anderen Urlaubstag zu opfern. Außerdem hilft auch der Name Stefan Soltesz und die Essener Philharmoniker, die sich international einen hervorragenden Namen gemacht haben. Und natürlich auch der Ruf des Aalto Theaters.
 
theater pur? Sie haben ja mit Sir Simon Rattle, Kurt Masur, Pierre Boulez und Lorin Maazel mehr als ausgezeichnete Künstler gewinnen können. Gibt es eine Person oder ein Orchester welches Sie noch gerne dabei gehabt hätten?
 
Michael Kaufmann: Natürlich die Wiener Philharmoniker. Wenn die zur ersten Saison zugesagt hätten, hätte ich ihnen den roten Teppich noch mit der Hand gehäkelt. Aber leider sind die erst wieder 2006 terminlich verhandelbar. Dann hätte ich auch noch gerne Cecilia Bartoli während der Eröffnungsphase dabei gehabt. Aber wir fangen ja gerade erst an.
 
theater pur? Wie sieht es in der Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern aus?
 
Michael Kaufmann: Wir sind froh, so gute Namen wie die Konzertagentur Heinersdorff oder die Kontrapunkt Konzerte Köln gefunden zu haben. Diese produzieren ihre eigenen Konzertreihen und sie sind Mieter der Philharmonie. Dies gilt auch für das Klavierfestival Ruhr. Hier sind wir wirklich stolz, schon gleich zu Beginn zwei so hochkarätige Namen wie Anne-Sophie-Mutter uns Sir André Previn in unserem Hause zu haben. Ich hoffe ich bekomme André Previn auch noch als Dirigenten nach Essen.
 
theater pur? Haben Sie Angst vor der Unterhaltung?
 
Michael Kaufmann: Was ist Unterhaltung? Solche Begriffe gibt es nur bei uns in Deutschland. Wichtig ist die Qualität und Professionalität. Wie Sie aus dem bisherigen Programm entnehmen können, bildet zum Beispiel der Jazz eine starke Säule bei uns. Auch Max Raabe gehört mit zum „Eröffnungszauber“. Das U und E gibt es bei uns nicht. Qualität ist die Maximale. Wir wollen keine Barrieren aufbauen. Zu uns sollen alle kommen, die sich für Musik interessieren.
 
theater pur? Wie sieht die Preisgestaltung bei der Philharmonie Essen aus? Kann sich auch der mit dem kleinen Geldbeutel eine Karte erlauben?
 
Michael Kaufmann: Ganz sicher. So liegen die Preise bei den Essener Philharmonikern, die ja hier zu Hause sind, zwischen 5,00 und 27,00 Euro. Aber selbst so bekannte Orchester wie die Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle können Sie schon für 18,00 Euro sehen.
 
theater pur? Die beiden Säle der Philharmonie tragen Namen von Essener Unternehmen oder Firmen: Alfried Krupp Saal und RWE Pavillon.
 
Michael Kaufmann: Warum nicht? Berthold Beitz als Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat mit einer sehr großen Spende zum Bau der Philharmonie beigetragen. Der Name „Alfried Krupp Saal“ dokumentiert diese großartige Förderung. Ähnlich verhält es sich mit der RWE AG. Durch ihre Spende wurde der Bau eines zweiten Veranstaltungsortes erst möglich, der nun für Kammerkonzerte und Experimentelles genutzt werden kann.
 
theater pur? Und wie kommt man an die begehrten Karten?
 
Michael Kaufmann: Ganz herkömmlich an der Kasse, im Vorverkauf an allen Vorverkaufsstellen in NRW und im Internet.
 
theater pur? Dann wünschen wir Ihnen immer ein volles Haus.
 
Michael Kaufmann: Ich danke für den Besuch.
 
theater pur? Wir haben für das Gespräch zu danken.
 
Das Interview für theater pur führte Rolf Finkelmeier.

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